Zum Inhalt springen
Vagusnerv-Praxis Roberta Nozzolillo

Körperliche Grundlagen

Vagusnerv und Angst: was dabei im Körper passiert

Angst ist zuerst ein körperlicher Vorgang. Innerhalb von Sekunden stellt der Sympathikus den Körper auf Kampf oder Flucht: Der Puls steigt, die Atmung wird flach und schnell, die Muskeln spannen an, die Verdauung wird heruntergefahren. Der Vagusnerv steht auf der Gegenseite dieses Systems. Er bremst den Herzschlag über den Sinusknoten, und rund 80 Prozent seiner Fasern melden dem Hirnstamm laufend, in welchem Zustand Herz, Lunge und Bauchorgane sind. Der Körper meldet also mehr nach oben, als der Kopf nach unten anordnet, und deshalb spüren die meisten Menschen Angst zuerst im Brustkorb und erst danach als Gedanken.

Was auf dieser Seite nicht steht

Sie finden hier kein Versprechen und keinen Selbsttest, an dem Sie sich einordnen können. Die Seite erklärt einen körperlichen Zusammenhang und sagt dazu, wo die Belege dünn werden. Was Roberta anbietet, steht weiter unten in einem eigenen Abschnitt.

Der Ablauf

Was das vegetative Nervensystem tut

Eine Stressreaktion läuft in vier Stufen ab, hier geordnet nach der Zeit, die sie brauchen. Auffällig ist das Tempo: Die Bewertung geht dem Verstehen voraus, und die Bremse arbeitet schneller als jedes Hormon.

  1. 01

    Bruchteile einer Sekunde

    Die Bewertung

    Der Mandelkern im Schläfenlappen stuft einen Reiz als bedrohlich ein, bevor die Großhirnrinde ihn eingeordnet hat. Von dort läuft das Signal über den Hypothalamus in das sympathische Nervensystem. Dass die Bewertung vor dem Verstehen kommt, ist kein Fehler, sondern die schnellere Schaltung.

  2. 02

    Sekunden

    Adrenalin

    Das Nebennierenmark schüttet Adrenalin und Noradrenalin aus. Der Puls steigt, das Herz wirft mehr Blut aus, die Bronchien weiten sich, das Blut wird zur Skelettmuskulatur umgeleitet und aus dem Verdauungstrakt abgezogen. Der Mund wird trocken, weil die Speicheldrüsen parasympathisch angesteuert werden und diese Ansteuerung gerade zurückgefahren ist.

  3. 03

    Minuten bis Stunden

    Cortisol

    Über die Achse aus Hypothalamus, Hypophyse und Nebennierenrinde folgt Cortisol. Es hält den Zustand aufrecht, wenn das Adrenalin längst abgebaut ist. Deshalb klingt Anspannung oft deutlich langsamer ab, als sie gekommen ist.

  4. 04

    Innerhalb eines Herzschlags

    Die Bremse

    Der Vagusnerv wirkt in die andere Richtung, und er ist dabei schneller als jedes Hormon. Seine Bremswirkung auf den Sinusknoten setzt innerhalb eines einzigen Herzschlags ein und lässt ebenso schnell wieder nach. Deshalb schwankt die Herzfrequenz im Takt der Atmung, und nur deshalb lässt sich Herzratenvariabilität überhaupt messen.

Atmung

Warum Herzrasen und flache Atmung zusammengehören

Herzschlag und Atmung sind über den Vagusnerv gekoppelt, und zwar in jedem einzelnen Atemzug. Das ist keine Metapher, das lässt sich in einem gewöhnlichen EKG ablesen.

Beim Einatmen

Die vagale Bremsung des Sinusknotens lässt nach, und die Herzfrequenz steigt leicht an. Bei jungen, gesunden Menschen ist der Unterschied im EKG deutlich zu sehen, mit dem Alter wird er kleiner.

Beim Ausatmen

Die Bremsung greift stärker, die Herzfrequenz sinkt. Dieser Wechsel heißt respiratorische Sinusarrhythmie, und seinetwegen wird in der Atemarbeit die Ausatmung verlängert, zum Beispiel vier Sekunden ein und sechs Sekunden aus.

Wer schnell und flach in den oberen Brustkorb atmet, verkürzt vor allem die Ausatmung. Damit wird der Abschnitt kleiner, in dem der Herzschlag unter vagaler Bremsung steht. Gleichzeitig sinkt bei anhaltend schneller Atmung der Kohlendioxidgehalt im Blut, und daraus entstehen Kribbeln in Händen und Lippen, Schwindel und ein Engegefühl im Brustkorb. Viele Menschen lesen diese Zeichen wieder als Bedrohung, und damit schließt sich der Kreis im Körper, nicht im Kopf.

Das alles ist Physiologie und steht in jedem Lehrbuch. Was daraus folgt, ist eine andere Frage, und die ist deutlich schlechter beantwortet.

Was belegt ist

Der ehrliche Forschungsstand

Zum Vagusnerv steht viel Halbseriöses im Netz, und beim Thema Angst besonders viel. Deshalb trenne ich hier zwischen dem, was gemessen wurde, und dem, was daraus gemacht wird.

Zusammenhang ist keine Ursache

Menschen mit Angsterkrankungen zeigen in Untersuchungen im Mittel eine niedrigere Herzratenvariabilität als Vergleichsgruppen. Dieser Befund ist mehrfach beschrieben. Er sagt aber weder, was Ursache und was Folge ist, noch lässt er sich auf eine einzelne Person übertragen. Ein Teil der Unterschiede geht auf Medikamente, Schlaf, Rauchen und Trainingszustand zurück, die in den Gruppen ungleich verteilt sind.

Stimulation über das Ohr

Von der Haut versorgt der Vagusnerv nur einen kleinen Bereich der Ohrmuschel. Darauf beruht die transkutane aurikuläre Stimulation, bei der über eine Elektrode am Ohr gereizt wird. Dazu gibt es viele kleine Studien mit uneinheitlichen Ergebnissen. Die Gründe dafür sind bekannt: unterschiedliche Reizparameter, unterschiedliche Punkte am Ohr, kleine Gruppen und das Problem, dass eine Elektrode am Ohr spürbar ist und sich eine überzeugende Scheinkontrolle deshalb schwer bauen lässt.

Atemübungen

Am besten untersucht ist der unmittelbare Effekt: Eine verlängerte Ausatmung senkt die Herzfrequenz messbar, das ist unstrittig. Für die Frage, was regelmäßiges Üben über Wochen am Angsterleben ändert, sind die Studien kleiner, kürzer und in ihren Ergebnissen uneinheitlich. Von einer gesicherten Wirksamkeit ist das weit entfernt.

Manuelle Arbeit am Hals

Hier ist die Datenlage am dünnsten. Es gibt einzelne kleine Untersuchungen zu sanften Techniken an der Schädelbasis mit Messungen der Herzratenvariabilität, mit Fallzahlen im zweistelligen Bereich und ohne längere Nachbeobachtung. Daraus lässt sich keine Aussage über Angst ableiten. Wer eine solche Aussage trotzdem trifft, geht über die Daten hinaus.

Wann das hier nicht die richtige Adresse ist

Angst kann eine Erkrankung sein, die behandelt werden muss. Mit einer Angststörung oder einer Panikstörung gehören Sie zuerst in ärztliche oder psychotherapeutische Hände. Dort klärt jemand ab, was dahintersteckt, und dort gibt es Verfahren, deren Wirksamkeit in großen Studien geprüft wurde. Meine Arbeit ersetzt das nicht, sie kommt daneben oder gar nicht.

Herzrasen, Druck auf der Brust, Atemnot: Das sind zugleich Zeichen, hinter denen etwas ganz anderes stecken kann, von der Schilddrüse bis zum Herzen. Wer das noch nie hat abklären lassen, fängt damit an und nicht mit Atemübungen.

Wenn es gerade akut ist, zählt das hier mehr als alles andere auf dieser Seite. Der ärztliche Bereitschaftsdienst ist bundesweit unter 116 117 erreichbar, im Notfall die 112. Die Telefonseelsorge ist rund um die Uhr und kostenfrei unter 0800 111 0 111 und 0800 111 0 222 zu erreichen. Diese Nummern kosten nichts und verlangen keinen Termin.

Meine Arbeit

Was ich tue, und was ich nicht verspreche

Was oben steht, ist Physiologie, und jetzt beschreibe ich, was ich selbst mache. Ich bin Roberta Nozzolillo, Physiotherapeutin und Vagusnerv-Coach, und arbeite in der Praxis in Fürth mit Menschen, deren Nervensystem seit Monaten oder Jahren im Alarm steht.

Eine Sitzung besteht aus drei Teilen: Ich arbeite mit den Händen, wir üben Atmung und wir sprechen darüber, wie es Ihnen geht. Wie viel Zeit auf welchen Teil entfällt, richtet sich nach dem, was an dem Tag ansteht. Mit einer Massage hat das wenig zu tun.

Mit den Händen bin ich an der Schädelbasis und am oberen Nacken, am seitlichen Hals entlang des Kopfwendermuskels, am Ohr und am Rippenbogen, und ich sitze dabei hinter Ihrem Kopf und halte ihn von unten.

Die Atemübungen nehmen Sie mit nach Hause. Es sind nur eine Handvoll, aber so ausgesucht, dass Sie sie am Schreibtisch machen können oder nachts, wenn Sie wach liegen. Und wir reden darüber, was Ihr Alltag mit Ihnen macht, wann es schlimmer wird und wann nicht.

Genauso deutlich sage ich, was ich nicht tue. Ich übe keine Heilkunde aus, ich stelle keine Diagnosen und ich verspreche keine Heilung. Ich sage Ihnen auch nicht, dass Ihre Angst danach weg ist, denn das weiß ich nicht, und niemand, der Sie nicht kennt, kann es wissen. Sagen kann ich Ihnen, was in einer Sitzung passiert und was sie kostet.

In der Praxis in Fürth

Die Praxis liegt in der Erlanger Str. 46 und ist aus Nürnberg, Fürth und Erlangen gut zu erreichen. Die Arbeit mit den Händen gibt es nur hier, Atemübungen und Gespräch gehören dazu. Termine vergebe ich freitags und samstags.

Einzelsitzung ansehen

Online aus ganz Deutschland

Wenn Sie weiter weg wohnen, kann schon die erste Sitzung online stattfinden. Ich leite Atemübungen an, schaue zu und wir sprechen. Mit den Händen kann ich per Video nicht arbeiten, das sage ich lieber vorher als nachher.

Online-Sitzungen ansehen

Nachgefragt

Häufige Fragen zu Vagusnerv und Angst

Diese sieben Fragen bekomme ich zu dem Thema immer wieder, und zwei davon beantworte ich mit Nein.

Was hat der Vagusnerv mit Angst zu tun?

Er ist der wichtigste Nerv des Parasympathikus und damit der Gegenspieler des Systems, das eine Stressreaktion auslöst. Er bremst den Sinusknoten und senkt so die Herzfrequenz, und etwa 80 Prozent seiner Fasern melden dem Hirnstamm laufend, in welchem Zustand Herz, Lunge und Bauchorgane sind. Angst ist deshalb nie nur ein Gedanke: Sie hat einen körperlichen Anteil, der über diesen Nerv läuft und der sich auch messen lässt.

Warum wird die Atmung flach, wenn Angst kommt?

Unter Sympathikusaktivität steigt die Atemfrequenz, die Atmung wandert nach oben in den Brustkorb und die Ausatmung wird kürzer. Für einen kurzen Kampf oder eine Flucht ist das sinnvoll, es bringt schnell Sauerstoff. Hält es an, fällt der Kohlendioxidgehalt im Blut, und daraus entstehen Kribbeln in Händen und Lippen, Schwindel und ein Engegefühl in der Brust, also genau die Zeichen, die viele Menschen wiederum als bedrohlich lesen.

Warum wird bei Atemübungen die Ausatmung verlängert?

Beim Einatmen lässt die vagale Bremsung des Herzschlags nach und die Herzfrequenz steigt leicht, beim Ausatmen greift sie stärker und die Frequenz sinkt. Dieser Vorgang heißt respiratorische Sinusarrhythmie und ist gut messbar. Eine längere Ausatmung verlängert damit den Abschnitt, in dem der Herzschlag unter vagaler Bremsung steht. Was das über Wochen für das Angsterleben bedeutet, ist damit nicht gesagt.

Ist eine niedrige Herzratenvariabilität ein Zeichen für Angst?

Nein. In Studien zeigen Gruppen mit Angsterkrankungen im Mittel niedrigere Werte als Vergleichsgruppen, aber das ist ein Unterschied zwischen Gruppen und keine Aussage über eine einzelne Person. Alter, Trainingszustand, Schlaf, Rauchen, Medikamente und die Messmethode verändern den Wert ebenfalls, teils erheblich. Ein Wert aus einer Uhr oder einer App ist kein Befund.

Ich habe eine Angststörung. Ist Vagusnerv-Coaching das Richtige für mich?

Zuerst gehört das in ärztliche oder psychotherapeutische Hände. Dort wird geklärt, was dahintersteckt, und dort gibt es Verfahren, deren Wirksamkeit geprüft ist. Meine Arbeit ersetzt das nicht. Ob sie daneben für Sie sinnvoll ist, besprechen Sie am besten mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Ich verspreche Ihnen dazu nichts, was ich nicht wissen kann.

Kann Angst vom Nacken kommen?

So einfach ist der Zusammenhang nicht. Richtig ist, dass der Vagusnerv den Schädel an der Schädelbasis hinter dem Ohr verlässt und am seitlichen Hals abwärts zieht, also anatomisch dort liegt, wo viele Menschen Spannung spüren. Dass Nackenspannung den Nerv einklemmt und daraus Angst entsteht, ist eine populäre Behauptung ohne belastbare Grundlage. Der anatomische Verlauf steht ausführlich auf der Seite zu Vagusnerv und Nacken.

Was kostet ein erstes Gespräch?

Das erste Gespräch kostet nichts. Es dauert 15 Minuten, Sie erzählen und ich höre zu, und am Ende sage ich Ihnen, ob meine Arbeit für Sie überhaupt in Frage kommt. Wenn nicht, sage ich das auch. Einen Termin vereinbaren Sie per WhatsApp oder über das Kontaktformular.

Im ersten Gespräch klären wir, ob das zu Ihnen passt.

Das Gespräch dauert 15 Minuten und kostet nichts. Wenn meine Arbeit für Sie nicht in Frage kommt, sage ich Ihnen das offen.

Lieber schreiben? Zum Kontaktformular

WhatsApp