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Vagusnerv-Praxis Roberta Nozzolillo

Ratgeber

Vagusnerv massieren: Punkte, Anleitung und Grenzen

Der Nerv selbst liegt tief und geschützt, ertasten lässt er sich nicht. Es gibt trotzdem Stellen, an denen Sie mit den eigenen Händen sinnvoll arbeiten können, und eine, an der Sie es besser lassen.

Veröffentlicht am 01. September 2026

Die kurze Antwort

Den Vagusnerv selbst kann niemand massieren. Am Hals liegt er in einer festen Bindegewebshülle zusammen mit der Halsschlagader, weiter unten verläuft er hinter dem Brustbein und zwischen den Organen. Er ist nirgends zu ertasten. Wer nach „Vagusnerv massieren" sucht, meint deshalb etwas anderes, nämlich die Berührung an den Regionen, durch die der Nerv zieht. Eine einzige Stelle ist die Ausnahme. Ein Teil der äußeren Ohrmuschel und des Gehörgangs wird von einem seiner Äste sensibel versorgt, dem Ramus auricularis. Das ist die einzige Hautregion des ganzen Körpers, an der Sie den Nerv mit dem eigenen Finger direkt erreichen.

Eine Region kommt in diesem Zusammenhang überhaupt nicht vor, und das ist der Rücken. Viele Menschen stellen sich unter Vagusnerv-Arbeit eine Rückenmassage vor. Der Nerv verläuft aber weder am Kreuz noch zwischen den Schulterblättern, er kommt am Rücken gar nicht vorbei.

Wo der Nerv entlangläuft

Der Vagusnerv verlässt den Schädel durch das Foramen jugulare, eine Öffnung seitlich an der Schädelbasis hinter dem Ohr. Von dort zieht er am Hals abwärts, dicht neben der Halsschlagader und hinter dem Musculus sternocleidomastoideus, also dem Kopfwendermuskel, der vom Warzenfortsatz schräg nach vorn unten zum Brustbein läuft. Weiter geht es durch den Brustkorb, mit der Speiseröhre durch das Zwerchfell und dann zu Magen, Leber, Bauchspeicheldrüse und Darm. Ausführlich steht der Verlauf auf der Seite zum Vagusnerv, die Strecke am Hals und ihr Verhältnis zur Nackenspannung auf der Seite zu Vagusnerv und Nacken.

Aus diesem Weg ergeben sich die Stellen, an denen mit den Händen überhaupt sinnvoll gearbeitet werden kann. Es sind vier, und keine davon liegt am Rücken.

Die vier Stellen

  1. Die erste Stelle ist der Übergang zwischen Hinterhaupt und den beiden obersten Halswirbeln. Dort sitzt eine Gruppe kurzer Muskeln, unmittelbar unterhalb der Stelle, an der der Nerv den Schädel verlässt. Gearbeitet wird dort mit sanftem Zug, nicht mit Kneten.
  2. Die zweite ist der seitliche Hals entlang des Kopfwendermuskels und hinter dem Ohrläppchen. Das ist die heikelste Region des ganzen Themas, und ich komme unten darauf zurück.
  3. Am Ohr erreicht man den Nerv über den Ramus auricularis. Es ist der einzige direkte Hautzugang und die einzige Stelle, an der Berührung den Nerv selbst trifft und nicht nur seine Nachbarschaft.
  4. Am Rippenbogen und am Zwerchfell gehört die Atmung immer dazu, weil der Nerv dort gemeinsam mit der Speiseröhre hindurchtritt. Tiefer im Bauch schließt sich sanfte Arbeit an den Organen an, die aber niemand auf eigene Faust bei sich selbst machen sollte.

Was Sie selbst machen können

Zwei der vier Stellen sind für die Selbstarbeit geeignet, dazu kommt eine dritte Übung, die bewusst ohne jeden Druck auskommt. Alles, was hier steht, können Sie im Sitzen oder im Liegen ausprobieren, ohne Hilfsmittel und ohne Vorkenntnisse.

1

Die Ohrmuschel

Dauer
2 bis 3 Minuten
Setzt an
Ramus auricularis am Ohr
  1. 1 Suchen Sie mit dem Zeigefinger den Tragus, den kleinen Knorpelvorsprung direkt vor dem Gehörgang. Dahinter liegt die Concha, die Mulde in der Mitte der Ohrmuschel.
  2. 2 Legen Sie den Finger flach in diese Mulde und fahren Sie sie langsam aus, mit so wenig Druck, dass die Haut sich mitbewegt statt eingedrückt zu werden.
  3. 3 Nehmen Sie dann Tragus und Ohrläppchen zwischen Daumen und Zeigefinger und ziehen Sie sanft nach außen und leicht nach unten. Halten Sie 10 Sekunden, lassen Sie los, wiederholen Sie das drei- bis viermal.
  4. 4 Atmen Sie dabei ruhig weiter und machen Sie die Ausatmung etwas länger als die Einatmung, etwa 4 Sekunden ein, 6 Sekunden aus.
  5. 5 Wechseln Sie danach zur anderen Seite. Nehmen Sie die Seiten nacheinander und nicht gleichzeitig, sonst bekommen Sie von der Bewegung selbst kaum etwas mit.

Achtung: Schieben Sie nichts in den Gehörgang, kein Wattestäbchen, keinen Fingernagel. Wenn das Ohr schmerzt, gereizt ist oder operiert wurde, lassen Sie es und fragen Sie zuerst ärztlich nach.

2

Der Rippenbogen und die Atmung

Dauer
5 Minuten
Setzt an
Rippenbogen und Zwerchfell
  1. 1 Legen Sie sich auf den Rücken, die Beine angestellt, die Füße flach auf dem Boden. Nehmen Sie eine Decke, wenn Ihnen kalt wird.
  2. 2 Legen Sie beide Hände seitlich an den unteren Rippenbogen, Daumen nach hinten, Finger nach vorn. Die Hände liegen auf den Rippen, nicht im Bauch.
  3. 3 Atmen Sie 4 Sekunden durch die Nase ein und spüren Sie, wie sich der Rippenbogen unter den Händen weitet. Drücken Sie dabei nicht, spüren Sie nur nach.
  4. 4 Atmen Sie 6 Sekunden durch den leicht geöffneten Mund aus. Erst gegen Ende der Ausatmung folgen die Hände der Bewegung nach innen, mit sehr wenig Druck.
  5. 5 Bleiben Sie zehn Atemzüge in diesem Takt. Wenn Ihnen schwindelig wird, ist der Takt zu lang, dann kürzen Sie ihn auf 3 Sekunden ein und 5 Sekunden aus.

Achtung: Kein tiefer Druck in den Bauch, weder unter den Rippenbogen noch tiefer. Nach einer Operation im Bauchraum, in der Schwangerschaft und bei Bauchschmerzen, deren Ursache nicht geklärt ist, gehört das zuerst ärztlich besprochen.

3

Der obere Nacken ohne jeden Druck

Dauer
3 Minuten
Setzt an
Übergang zwischen Hinterhaupt und erstem Halswirbel
  1. 1 Legen Sie sich auf den Rücken, mit einem flach zusammengerollten Handtuch quer unter dem Hinterkopf, nicht unter dem Nacken.
  2. 2 Legen Sie die Fingerspitzen beider Hände dorthin, wo der Schädel in den Hals übergeht, ungefähr zwei Fingerbreit neben der Mittellinie. Die Finger liegen nur auf, sie drücken nicht und sie graben nicht.
  3. 3 Nicken Sie den Kopf minimal, als würden Sie ein sehr kleines Ja andeuten. Die Bewegung ist so klein, dass ein Zuschauer sie kaum sieht.
  4. 4 Machen Sie zehn dieser Mini-Bewegungen, legen Sie dann die Hände weg und bleiben Sie 60 Sekunden liegen. Der zweite Teil ist der wichtigere: Sie nehmen wahr, wie sich der Kopf jetzt anfühlt, und tun sonst nichts.

Achtung: Den Kopf dabei nicht drehen, nicht seitlich ziehen und auf keinen Fall ruckartig bewegen. Einrenken ist keine Selbstanwendung. Wenn Sie hier Schmerz, Schwindel oder ein Kribbeln in den Armen bemerken, hören Sie auf.

Was zum Ohr belegt ist und was nicht

Zur aurikulären Vagusnerv-Stimulation gibt es Untersuchungen, und sie sind der Grund, warum das Ohr in diesem Thema so oft auftaucht. Gearbeitet wurde darin allerdings fast immer mit Geräten, die schwache Stromimpulse an Tragus oder Concha abgeben, nicht mit den Fingern. Die zusammenfassenden Übersichtsarbeiten lesen sich nüchtern: kleine Fallzahlen, und die Ergebnisse widersprechen sich, auch weil fast jede Studie etwas anderes misst. Von einem Studienaufbau mit Elektrode auf zwei Minuten Fingerarbeit im Wohnzimmer zu schließen, ist ein weiter Sprung, und ich mache ihn nicht.

Sagen lässt sich, dass die Stelle anatomisch stimmt und dass sanfte Berührung dort unproblematisch ist. Ob sich für Sie dadurch etwas ändert, müssen Sie ausprobieren, versprechen kann ich es Ihnen nicht.

Wo Sie besser aufhören: der seitliche Hals

An der Gabelung der Halsschlagader, ungefähr auf Höhe des oberen Kehlkopfrands, liegt der Karotissinus. Das ist eine Druckmessstelle des Kreislaufs. Sie meldet dem Hirnstamm den Blutdruck, und der antwortet darauf, indem er den Puls anpasst. Drückt jemand von außen darauf, liest die Messstelle einen zu hohen Druck ab. Die Antwort des Körpers ist dieselbe wie bei einem echten Druckanstieg: Der Puls wird langsamer, der Blutdruck fällt. Bei empfindlichen Menschen reicht das für Schwindel, in ungünstigen Fällen für eine kurze Bewusstlosigkeit.

Beidseitiger Druck am Hals ist tabu, und starker Druck auf die Halsschlagader ebenfalls. Das ist keine Vorsichtsformel, die man im Kleingedruckten unterbringt. Ausgerechnet dort setzen die Anleitungen an, die im Netz unter diesem Suchbegriff kursieren, und fast keine benennt den Karotissinus. Am seitlichen Hals arbeite ich mit den Händen, aber nie beidseitig und nie mit Druck auf die Halsschlagader. Machen Sie das nicht selbst.

Dazu kommen ein paar Dinge, die an keiner der Stellen oben eine gute Idee sind: nichts einrenken, keinen ruckartigen Impuls setzen, nicht tief in den Bauch drücken. In den folgenden Fällen gehört die Sache außerdem zuerst ärztlich abgeklärt, bevor jemand mit den Händen daran arbeitet, ich eingeschlossen:

  • bei bekannten Gefäßerkrankungen, etwa Ablagerungen in der Halsschlagader
  • bei Herzrhythmusstörungen oder mit einem Herzschrittmacher
  • nach einer Operation am Hals oder im Bauchraum
  • in der Schwangerschaft
  • bei Schwindel, Ohnmachtsneigung oder Sehstörungen
  • bei jeder Beschwerde, deren Ursache Sie nicht kennen

Was in einer Sitzung anders ist

Ich bin Physiotherapeutin und kenne den Verlauf des Nervs. Ich arbeite an den Stellen, an die Sie selbst nicht sinnvoll herankommen, vor allem am Übergang zwischen Hinterhaupt und den obersten Halswirbeln und am seitlichen Hals. Ich sitze dabei am Kopfende und halte Ihren Kopf von unten. Ich knete nicht und renke nichts ein, und ich arbeite am Kopf, am Hals und am Rippenbogen.

Eine Sitzung besteht ohnehin nicht nur aus Arbeit mit den Händen. Dazu kommen Atemübungen, die Sie mitnehmen und allein weiterführen, und das Gespräch darüber, wann es Ihnen schlechter geht und wann besser. Der Anteil wechselt von Mensch zu Mensch und von Termin zu Termin. Wie das abläuft, steht ausführlich beim Vagusnerv-Coaching und bei der Einzelsitzung. Meine Praxis liegt in der Erlanger Str. 46 in Fürth, von der Nürnberger Innenstadt sind das acht Kilometer. Online fällt die Arbeit mit den Händen komplett weg, dann bleiben die Anleitung zur Selbstarbeit, die Atemübungen und das Gespräch.

Dazu gehört auch, was ich nicht tue. Ich übe keine Heilkunde aus, ich stelle keine Diagnosen und ich verspreche keine Heilung. Ob sich für Sie etwas ändert, weiß ich vorher nicht. Wie eine Sitzung abläuft und was sie kostet, kann ich Ihnen dagegen genau sagen, beides steht bei der Einzelsitzung.

Fragen vor dem ersten Termin

Häufige Fragen

Wenn Ihre Frage hier nicht dabei ist, klären wir sie im kostenlosen 15-Minuten-Gespräch.

Kann man den Vagusnerv überhaupt massieren?

Nein, nicht den Nerv selbst. Am Hals liegt er in einer festen Bindegewebshülle zusammen mit Halsschlagader und Drosselvene, weiter unten hinter dem Brustbein und zwischen den Organen. Ertasten lässt er sich nirgends. Gemeint ist mit dem Begriff die Berührung von Regionen, durch die er zieht. Die einzige Hautstelle, die er selbst sensibel versorgt, liegt an der äußeren Ohrmuschel und im Gehörgang.

Wo genau liegt der Punkt am Ohr?

Der Ramus auricularis versorgt die Concha, also die Mulde in der Mitte der Ohrmuschel direkt vor dem Gehörgang, dazu den Tragus, den kleinen Knorpelvorsprung davor, und einen Teil des äußeren Gehörgangs. Das ist die Region, an der die Forschung zur aurikulären Vagusnerv-Stimulation ansetzt. Sie kommen mit dem eigenen Finger dorthin und brauchen dafür kein Gerät.

Ist es gefährlich, sich selbst am Hals zu massieren?

Am seitlichen Hals liegt an der Gabelung der Halsschlagader der Karotissinus, eine Druckmessstelle des Kreislaufs. Druck darauf kann den Puls verlangsamen und den Blutdruck senken, bis hin zu Schwindel oder Bewusstlosigkeit. Beidseitiger Druck am Hals ist deshalb tabu, starker Druck auf die Halsschlagader ebenso. Machen Sie das nicht selbst, auch nicht vorsichtig.

Hat der Vagusnerv etwas mit dem Rücken zu tun?

Nein. Sein Weg führt von der Schädelbasis hinter dem Ohr am seitlichen Hals abwärts, durch den Brustkorb, durch das Zwerchfell zu Magen und Darm. Der Rücken kommt darin nicht vor. Eine Rückenmassage kann angenehm sein und ihren eigenen Sinn haben, mit dem Vagusnerv hat sie nichts zu tun.

Wie oft und wie lange soll ich üben?

Lieber kurz und regelmäßig als lang und selten. Zwei bis drei Minuten am Ohr und ein paar Atemzüge am Rippenbogen lassen sich in einen normalen Tag einbauen, zwanzig Minuten am Stück meistens nicht. Was sich dadurch bei Ihnen verändert, kann ich Ihnen vorher nicht sagen. Wenn eine Übung unangenehm ist, hören Sie auf, statt sie durchzuziehen.

Was mache ich in einer Sitzung anders als Sie zu Hause?

Ich arbeite an Stellen, an die Sie selbst nicht sinnvoll herankommen, vor allem am Übergang zwischen Hinterhaupt und den obersten Halswirbeln und am seitlichen Hals. Dabei sitze ich hinter Ihrem Kopf und halte ihn von unten. Dazu kommen Atemübungen und das Gespräch. Der Anteil wechselt von Termin zu Termin, und nicht in jeder Sitzung ist es überhaupt Massage.

Geht das auch online?

Die Arbeit mit den Händen entfällt online vollständig, eine Kamera kann sie nicht ersetzen. Was online geht, ist die Anleitung zur Selbstarbeit am Ohr und am Rippenbogen, dazu Atemübungen und das Gespräch. Das sage ich lieber vorher als nachher.

Wann sollte ich vorher ärztlich abklären lassen?

Bei bekannten Gefäßerkrankungen, bei Herzrhythmusstörungen, nach einer Operation am Hals, in der Schwangerschaft und immer dann, wenn Sie nicht wissen, woher eine Beschwerde kommt. Das gilt für die Selbstarbeit ebenso wie für einen Termin bei mir. Meine Arbeit ersetzt keine ärztliche Abklärung, sie kommt daneben.

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